Was die Norm für Schaltschränke verlangt – Bemessungswerte, Bauartnachweis, Stückprüfung und Typenschild, ohne Normendeutsch.
„Nach DIN EN 61439“ steht in fast jeder Ausschreibung für einen Schaltschrank. Was steckt dahinter? Hier erklären wir die Norm so, wie wir sie im Alltag anwenden: wer wofür verantwortlich ist, welche Kennwerte ein Schrank haben muss, was nachgewiesen und was an jedem Schrank geprüft wird. Einen Überblick über alle Normen und Vorschriften im Schaltschrankbau finden Sie im Beitrag Normen und Vorschriften im Schaltschrankbau.
Die Normenreihe DIN EN 61439 (VDE 0660-600) gilt für Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen – Schaltschränke, Verteilungen und Schaltanlagen mit einer Bemessungsspannung bis 1000 V Wechselspannung bzw. 1500 V Gleichspannung. Sie hat die frühere DIN EN 60439 mit ihren Begriffen TSK und PTSK abgelöst.
Teil 1 enthält die allgemeinen Regeln und gilt nie allein, sondern immer zusammen mit einem Produktteil: Teil 2 für Energie-Schaltgerätekombinationen (die meisten Industrie- und Steuerungsschränke), Teil 3 für Installationsverteiler, die von Laien bedient werden, Teil 4 für Baustromverteiler, Teil 5 für Kabelverteilerschränke, Teil 6 für Schienenverteiler und Teil 7 für besondere Anwendungen wie Ladestationen für Elektrofahrzeuge.
Die Norm unterscheidet zwei Rollen, die oft verwechselt werden:
Wer ein geprüftes System verwendet, aber davon abweicht – andere Geräte, andere Anordnung, mehr Verlustleistung –, muss für diese Abweichung selbst nachweisen, dass die Anforderungen weiter erfüllt sind.
Jeder Schrank wird über seine Bemessungswerte beschrieben. Sie gehören in die Dokumentation und teilweise auf das Typenschild:
In der Praxis entscheidet sich hier viel: Ein Schrank, der für 400 A ausgelegt ist, aber am Netzanschluss einen hohen Kurzschlussstrom sieht, braucht die passende Kurzschlussfestigkeit – nicht nur einen großen Hauptschalter.
Der Bauartnachweis zeigt, dass die Bauart die Anforderungen erfüllt. Die DIN EN 61439-1 nennt dafür zwölf Merkmale:
Je nach Merkmal ist der Nachweis durch Prüfung, durch Vergleich mit einer geprüften Referenzkonstruktion oder durch Bewertung nach festgelegten Regeln möglich. Bei der Erwärmung ist für viele Schränke die rechnerische Bewertung üblich (z. B. nach IEC/TR 60890 bis 1600 A) – auf Grundlage der Verlustleistung aller Einbaugeräte. Genau hier passieren in der Praxis die meisten Fehler: Frequenzumrichter, Netzteile und Schütze erzeugen mehr Wärme, als man dem Schrank von außen ansieht.
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Wir planen, bauen und prüfen Ihren Schaltschrank in unserer Werkstatt in Olpe – auf Basis bauartgeprüfter Systeme, mit Stückprüfung, Typenschild und vollständiger Dokumentation. Ein Angebot bekommen Sie in der Regel in 3 bis 7 Tagen.
Schaltschrankbau nach Maß Anfrage startenDie Stückprüfung wird an jedem einzelnen Schrank durchgeführt – bei uns, bevor er die Werkstatt verlässt. Sie umfasst unter anderem:
Das Ergebnis wird in einem Prüfprotokoll festgehalten.
Auf das Typenschild gehören nach DIN EN 61439-1 mindestens der Name oder das Warenzeichen des Herstellers der Schaltgerätekombination, eine Typbezeichnung oder Kennnummer, eine Angabe zur Feststellung des Herstellungsdatums und der Bezug auf den zutreffenden Teil der Norm (z. B. IEC 61439-2). Je nach Produktteil kommen weitere Angaben hinzu, etwa bei Installationsverteilern nach Teil 3. Die übrigen Bemessungswerte stehen in der technischen Dokumentation – zusammen mit Stromlaufplan, Klemmenplan, Stückliste und Prüfprotokoll.
Die DIN EN 61439 (VDE 0660-600) regelt Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen, also Schaltschränke, Verteilungen und Schaltanlagen bis 1000 V Wechselspannung bzw. 1500 V Gleichspannung. Sie legt fest, welche Bemessungswerte angegeben werden, wie die Bauart nachgewiesen und wie jeder einzelne Schrank geprüft wird.
Die Norm unterscheidet zwei Rollen: Der ursprüngliche Hersteller entwickelt das System und führt den Bauartnachweis. Der Hersteller der Schaltgerätekombination – meist der Schaltschrankbauer – baut den konkreten Schrank, macht die Stückprüfung und bringt das Typenschild an. Beides kann dieselbe Firma sein.
Der Bemessungsbelastungsfaktor RDF gibt an, mit welchem Anteil ihres Bemessungsstroms die Abgangsstromkreise gleichzeitig dauerhaft belastet werden dürfen. Er ist wichtig für die Erwärmung: Ein RDF von 0,8 bedeutet zum Beispiel, dass alle Abgänge gleichzeitig dauerhaft mit 80 % ihres Bemessungsstroms Inc belastet werden dürfen.
Ja. Die Stückprüfung nach DIN EN 61439-1 ist für jeden einzelnen Schrank Pflicht. Sie umfasst unter anderem Sichtprüfung, Verdrahtung, Schutzleiterverbindungen, Isolationsprüfung und Funktionsprüfung und wird in einem Prüfprotokoll festgehalten.
Wir planen jeden Schrank zuerst digital, rechnen die Wärmebilanz, bevor gebohrt wird, und prüfen jeden Schrank vor der Auslieferung. Typenschild, Prüfprotokoll und vollständige Dokumentation gehören bei uns immer zum Lieferumfang.
Weiterführend: Schaltschrankbau nach Maß · Normen und Vorschriften im Schaltschrankbau · Schaltanlagenbau · Steuerungsbau
Dieser Beitrag gibt den Stand von November 2026 wieder, fasst die Norm vereinfacht zusammen und ersetzt weder den Normtext noch eine Beratung im Einzelfall.
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